Hier stellen wir ein kleines Restaurierungsprojekt vor. Warum so ein kleines, wo doch in den Referenzen ganz andere Projekte aufgelistet sind? Ganz einfach deshalb, weil der Umfang der Maßnahme hier kurz greifbar und beschreibbar ist.

Denn es geht uns hier nicht darum, die einzelnen technischen Details erschöpfend zu beschreiben, sondern eher um das was und warum.

Abb. 1: Vorzustand der Schatulle, Außenansicht

Unsere Aufgabenstellung bestand darin, die vorliegende Schmuckschatulle aus Zinkguss behutsam zu restaurieren. Auf der Innenseite befanden sich Reste einer roten Filzfütterung, die nicht mehr vorhanden war. Bräunliche Spuren des verwendeten Klebstoffs waren noch sichtbar. Die Oberfläche war verschmutzt und angelaufen, ein Fuß war abgebrochen. In der Mitte des Deckels war eine Gravur zu erahnen.

Abb. 2: Vorzustand Innenansicht, deutlich erkennbare Filz und Kleberreste

Ziel war nun, die Gravur wieder sichtbar zu machen, die Filz- und Kleberrückstände zu entfernen und den Fuß wieder anzubringen.

Abb. 3: Gravurfeld im Vorzustand mit starker Patina

Um die Rückstände im Inneren zu entfernen, haben wir zuerst versucht, mit feuchten Tüchern einen Effekt zu erzielen, was aber keinen Erfolg brachte. Damit war zwar zu rechnen, dieses Vorgehen folgt aber der Regel, immer schrittweise vom Sanften ins Grobe vorzugehen. Zu schnell wird sonst Substanz unwiederbringlich zerstört.

Ein sanftes Spezialreinigungsmittel brachte dann schon den gewünschten Erfolg. Würde man hier übertrieben gesagt mit rotierenden Bürsten, Schleifpapier und Nitroverdünnung loslegen, wäre der Schmutz zwar entfernt, aber ein Stück Schatulle halt auch…

Abb. 4: Reinigung der Innenseite mit Entfernung der Filz- und Klebstoffreste

Die Füße der Schatulle waren ursprünglich angelötet. Eine Lötung des abgebrochenen Fußes hätte jedoch eine große Wärmeeinflusszone erzeugt und damit die umliegende Patina und das Materialgefüge verändert. Also haben wir uns entschlossen, den Fuß mit einem geeigneten Klebstoff anzukleben.

Das Gravurfeld wurde mit einem sanften Poliermittel gereinigt, anschließend wurde die gesamte Schatulle mit destilliertem Wasser von Schmutz befreit.

Abb. 5: Reinigung der Außenseite
Abb. 6: Gereinigtes und poliertes Gravurfeld

Was schnell beschrieben ist, nahm letztlich aber doch 2,5 Stunden Arbeit in Anspruch.

Dieses Beispiel soll zeigen, dass Restaurierung nicht bedeutet, das Objekt wieder in den ursprünglichen Zustand, also den Herstellungszustand, zu versetzen, sondern je nach Bedarf Lesbarkeit und Funktion wiederherzustellen. Zu erhalten ist der Originalzustand und als Original ist das Objekt in seinem vorgefundenen Zustand zu bewerten. Samt Patina und Kleberresten.

Abb. 7: Endzustand der Innenseite

Bei einer Restaurierungsmaßnahme ist so viel Substanz wie möglich zu erhalten und so wenig wie möglich in das Objekt einzugreifen, natürlich unter Berücksichtigung des Restaurierungszieles. Dabei dürfen Maßnahmen wie der angeklebte Fuß bei näherem Hinsehen durchaus erkennbar sein und der Gravurbereich insofern poliert werden, als dass die Gravur wieder sichtbar wird, was ja explizit so gewünscht war.

Dieser Bericht soll ein Beispiel sein, dass Restaurierung meist anders zu verstehen ist, als „alte Sachen neu zu machen…“.

Abb. 8: Außenseite im Endzustand