Onlinevortrag Kristallthron Ludwigs II. aus der Venusgrotte Linderhof am 28.06.2022 um 18:00

Onlinevortrag Kristallthron Ludwigs II. aus der Venusgrotte Linderhof am 28.06.2022 um 18:00

Am Dienstag, 28.06.2022 um 18:00 werden im Rahmen der Online-Gespräche des Restaurator im Handwerk e.V. die Konservierungs- und Rekonstruktionsarbeiten am Kristallthron Ludwigs II. aus der Venusgrotte von Schloss Linderhof vorgestellt. Referenten sind Masterrestauratorin Veronika Lauber und Restaurator im Handwerk Johannes Pilz.

Die Teilnahme ist kostenlos.
Bitte melden Sie sich formlos per E-Mail an: info@restaurator-im-handwerk.de

Wir senden Ihnen ca. 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn einen Link zum Zoom-Meeting.

Mit der Anmeldung erklären Sie sich einverstanden, dass das Seminar aufgezeichnet und für interne Zwecke verwendet wird.

Veranstalter: Restaurator im Handwerk e.V., Thomas Büscher

Beitragsbild: Pe-sa (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Linderhof_Venusgrotte.JPG), „Linderhof Venusgrotte“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Haidong Gumdo

Haidong Gumdo

Haidong Gumdo ist eine koreanische Schwertkampfkunst und bedeutet übersetzt: „Schwertweg des östlichen Meeres.“ Im Gegensatz zu z.B. japanischen Schwertkampfstilen, bei denen der Kampf Mann gegen Mann im Vordergrund steht, beschäftigt sich Haidong Gumdo mit dem Kampf des einzelnen gegen mehrere Gegner.

Während in den Schülergraden mit dem „Mokgum“, dem einfachen Holzschwert trainiert wird und bei Fortgeschrittenen das „Kagum“, das ungeschärfte, ungehärtete Schwert aus Stahl oder Zink-Aluminium-Legierung Anwendung findet, führen Danträger das „Jingum“, ein gehärtetes, scharfes, zweihändiges Schwert.

Abb.1: Koreanisches Jingum

Mit dem „Jingum“ werden u.a. verschiedene Schnitt-Disziplinen ausgeführt, so z.B. das Schneiden dreier fliegender Äpfel (teilweise mit verbundenen Augen) oder der Bambus-Schnitt.

Bei solch einer Bambus-Schnitttechnik erlitt die uns vorliegende Klinge einen Ausbruch aus der Schneide. Das grobkörnige Bruchbild wies darauf hin, das die Schneide zumindest in diesem Bereich überhärtet und spröde und somit bei Belastung bruchanfällig ist. Von einer Durchbruchgefahr der Klinge ist nicht auszugehen, da bei den Klingen koreanischer und japanischer Schwerter nur der Schneidenbereich gehärtet ist, was sich auch durch die deutlich sichtbare Härtelinie abzeichnet.

Abb.2: Ausbruch bei ca. 1/3 der Schneide

Das von anderer Stelle zur Problembehebung vorgeschlagene Ausschleifen der Bruchstelle kam für unseren Kunden optisch nicht in Frage und so wurden wir gebeten, dem Schwert wieder seine Form zurückzugeben. Außerdem sollten die durch Gebrauch matt gewordenen Metallelemente des Griffes gepflegt werden und die Klinge wieder die nötige Schärfe erhalten. Ein Aufpolieren der Patina war also explizit erwünscht.

Abb. 3: Nahaufnahme des grobkörnigen Ausbruches

Um den Bruch zu füllen und die Kerbwirkung zu minimieren, wurde die Fehlstelle in einem sauberen Radius ausgeschliffen.

Abb. 4: Ausgeschliffener Radius

Ein passendes Füllstuck aus Federstahl wurde mit Übermaß eingepasst und mit 2K-Spezialklebstoff für höchste Belastungen eingeklebt. Wesentlich für den Erfolg der Verbindung war die penible Oberflächenvorbereitung der Klebstelle und die exakte Positionierung des doch recht kleinen Bauteiles.

Anschließend wurde die ergänzte Stelle mit verschiedenen Handschleifsteinen angeglichen. Das gesamte Schwert wurde gereinigt und poliert, die schon recht stumpfe Schneide wurde von Hand geschärft und abgezogen.

Abb. 5: Ergänzte, polierte und geschärfte Klinge
Abb. 6: Klingenzwinge und Stichblatt
Abb. 7: Das überarbeitete Jingum mit Gumjip (Schwert mit Scheide)

Man sieht die Ausbesserung. Auf den zweiten Blick. Aber genau das ist erwünscht. Denn Restaurieren heißt nicht neu machen…

Restaurator/in – Metallbauerhandwerk/M. Prof. Restaurierung

Restaurator/in – Metallbauerhandwerk/M. Prof. Restaurierung

Der BW-Verlag Nürnberg erstellte in unseren Räumen das neue Bildmaterial für BERUFENET, um unsere Tätigkeit auf dem Berufsinformationsportal der Bundesagentur für Arbeit anschaulich darstellen zu können.

Anna Tränkler zeigt verschiedene Arbeitsbereiche einer Restauratorin im Metallbauerhandwerk.

Die Fotostrecke kann hier eingesehen werden.

Lieber Arm dran

Lieber Arm dran

Die Skulptur „Enfant victorieux“ von Auguste Moreau, angefertigt vermutlich in der 2.Hälfte des 19.Jh., verlor bei einem Sturz den rechten Arm und den linken Flügel. Die Figur wurde als Zinkguss angefertigt. Nähere Informationen zu Herkunft und Herstellungszeitraum liegen nicht vor.

Skulptur mit verlorenem Arm und Flügel
Signatur

Aufgabenstellung war nun, Arm und Flügel unter geringstmöglicher Beeinträchtigung der Substanz wieder anzubringen.

An den Bruchstellen hatte sich das angrenzende Material verformt und zudem Haarrisse bekommen. Schon die behutsamsten Bemühungen, die Verformungen auszurichten, ließen erahnen, dass die Risse im Material nur größer würden. Daher wurde auf eine exakte Rückformung verzichtet. Allerdings bewegten sich die Maßabweichungen im Bereich von Millimeterbruchteilen.

Nach einer Reinigung und Vorbehandlung der Bruchstellen konnten die verlorenen Teile mit einem zweikomponentigen Spezialklebstoff wieder angebracht werden.

Bruchstelle Flügel mit sichtbaren Haarrissen
Bruchstelle Arm

Anschließend wurden die metallsichtigen Bruchkanten zurückhaltend retuschiert. Die Bruchstellen bleiben auf Kundenwunsch als Geschichtsspuren sichtbar.

Retusche
Das wieder siegreiche Kind

Mercedes-Dampfmaschine Nr. 10

Mercedes-Dampfmaschine Nr. 10

Eine nicht funktionsfähige stehende „Mercedes-Dampfmaschine“ fand den Weg in unsere Werkstatt.

Es handelt sich dabei um eine Arbeit aus den Ausbildungswerkstätten des Mercedes-Benz-Werkes in Gaggenau in Baden, welche von den Auszubildenden in der Zeit von 1960-1995 angefertigt wurde.

Stehende „Mercedes-Dampfmaschine“, Vorzustand

Die auf den Einzelteilen erkennbare Schlagzahl „10“ stellt sehr wahrscheinlich die Prüfungsnummer des Auszubildenden dar.

Die vorliegende Dampfmaschine war stark verschmutzt, das Aggregat überschmiert, die Schmierstoffe waren verharzt und mit Schmutz verdickt. Die blanken Einzelteile waren mit einem vergilbten Klarlack beschichtet, welcher bereits großflächig von Filiformkorrosion unterwandert war.

Verharzte und verschmutzte Aggregatsmechanik

Filiformkorrosion, entstanden durch Unterwanderung der Klarlackbeschichtung

Ein Funktionstest zeigte, dass die Dampfmaschine in Ihrem Aufbau, nicht jedoch in Ihrem Zustand betrieben werden konnte.

Um die Maschine erhalten zu können und die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen, wurde sie in Ihre Einzelteile zerlegt. Die beschädigte Beschichtung der blanken Bauteile samt Korrosion wurde vorsichtig entfernt und die Oberflächen konserviert. Die farbig gefassten Teile wurden gesäubert.

Einzelteile vor der Wiedermontage

Bei der Demontage zeigte sich, dass im Kessel offenbar über längeren Zeitraum Wasserrückstände verblieben waren. Die Unterseite war an zwei Stellen jeweils ca. 5x1mm groß durchrostet, so konnte natürlich kein Betriebsdruck erreicht werden. Die Löcher konnten wieder verlötet werden.

Anschließend wurde die Maschine wieder zusammengebaut. Hierbei konnten wir ermitteln, dass die Schieberschubstange im Vorzustand nicht richtig justiert war wodurch die Dampfsteuerung nicht richtig arbeiten konnte. Dieses Problem konnte erst im gereinigten Zustand erkannt, dann jedoch schnell behoben werden.

Aggregat im Endzustand

Die Dampfmaschine konnte gereinigt und betriebsfähig wieder übergeben werden.

Wir bedanken uns bei unserem Kollegen Christian Meckbach aus Landstuhl, der uns mit seinem Erfahrungsschatz im Bereich Dampfmaschinen unterstützt hat.

Gesamtansicht
Kessel und Aggregat